Fotovorschau und Logo ausblenden
Quick-Navigator:
Suche:

Sie sind hier: Startseite » Aktuelles & Rückblick » Das Kriegsende in Hirschaid vor 75 Jahren 

Das Kriegsende in Hirschaid vor 75 Jahren


Am Samstag, den 14. April 1945 rollten amerikanische Panzer in die Ortsmitte von Hirschaid. Damit war für die Einwohner der Zweite Weltkrieg zu Ende. Noch wenige Tage zuvor, am 12. April, hatten alliierte Tiefflieger rund zehn Minuten lang Hirschaid beschossen. Dabei brannten über 60 Scheunen ab. Die Feuerwehren der Umgebung kamen zu Hilfe, und auch die Frauen der im Krieg gegründeten Damenfeuerwehr halfen tatkräftig mit. Todesopfer gab es gottseidank keine zu beklagen, aber Josef Göller, Schwiegersohn des Tankstellenbesitzers Dürbeck, starb einige Wochen später an seinen schweren Brandverletzungen. Den amerikanischen Soldaten wurde beim Einmarsch kaum Gegenwehr entgegengebracht.

Noch am selben Tag hatten allerdings deutsche Soldaten versucht, durch die Sprengung der ehrwürdigen Regnitzbrücke, einer beeindruckenden Stahlkonstruktion der Firma MAN aus dem Jahr 1902, die amerikanischen Truppen zwischen Hirschaid und Sassanfahrt zu sabotieren. Die aus Pettstadt kommenden Amerikaner wurden durch die Explosion nicht allzusehr aufgehalten, obwohl es sich hier um die zu Bamberg nächstgelegene Brücke über die Regnitz handelte. Ein einzelner junger Soldat aus den deutschen Ostgebieten im heutigen Polen hatte noch versucht, die GIs alleine mit einer Panzerfaust bewaffnet am Sassanfahrter Ortsausgang in Richtung Köttmannsdorf aufzuhalten. Er wurde später mit einem Kopfschuss tot in einem Erdloch aufgefunden. Von der Sassanfahrter Bevölkerung kam indes kein Widerstand gegen die anrückenden Amerikaner.

Dennoch kam es in Sassanfahrt zu einer Katastrophe: am Sonntag, den 15. April, wurde eine amerikanische Proklamation von General Eisenhower in deutscher Sprache am Tor einer Scheune am Schlossplatz angeschlagen. Das war in Sassanfahrt stets der Platz für Plakate und Anschlagtafeln gewesen. Am Nachmittag versammelten sich gut 20 Sassanfahrter Einwohner, um die Proklamation zu lesen. Zum gleichen Zeitpunkt waren im schwäbischen Rißtissen Flugzeuge des deutschen Luftwaffenkommandos West gestartet, um Tieffliegereinsätze im Raum Bamberg durchzuführen. Sie feuerten über der Menschenansammlung in Sassanfahrt Bomben ab, die die Bewohner unvorbereitet trafen. 19 Tote waren hinterher zu beklagen, Männer, Frauen und Kinder, teilweise schrecklich zugerichtet. Das jüngste Opfer war die zweijährige Erika Nagengast, das älteste der 68jährige Georg Schmaus, der drei Tage später an seinen schweren Verletzungen starb. Warum die deutschen Flugzeuge vom Typ Me 262 auf die eigenen Landsleute feuerten, ist bis heute unklar. Heute erinnert ein Gedenkstein vor dem Sassanfahrter Schloss an diesen schwärzesten Tag der Dorfgeschichte.

 

In Seigendorf hatten sich die Einwohner beim Heranrücken der Amerikaner in verschiedene Unterschlupfe geflüchtet, unter anderem in den Bierkeller der Brauerei Reinwald. Es wird auch von Bürgermeister Neundörfer berichtet, der vor den einrückenden Amerikanern vor Aufregung reflexartig den Hitlergruß gezeigt hatte. Einer standrechtlichen Erschießung entging er nur, weil sich die Lehrerin Frau Lessak auf Englisch verständigen und die Angelegenheit erklären konnte. An der Friesener Warte hatte es noch einige deutsche Stellungen gegeben, aus denen heraus versucht wurde, Friesen zu verteidigen. Bei Gefechten am Köppelhof verloren 18 deutsche und neun amerikanische Soldaten ihr Leben.

 

Diese und noch viele andere Ereignisse aus der Geschichte Hirschaids und seiner Gemeindeteile sind in den vorhandenen Ortschroniken nachzulesen.




27.04.2020

nach oben  nach oben

Markt Hirschaid
Kirchplatz 6 | 96114 Hirschaid | Tel.: 09543 8225-0 | markt@hirschaid.de
  OK  
Cookies ermöglichen eine bestmögliche Bereitstellung unserer Dienste. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung