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Nach 78 Jahren ein Besuch im Elternhaus


Jenny Orenstein ist 86 Jahre alt und lebt in London. Ihr Elternhaus in Sassanfahrt sah sie am vergangenen Dienstag das erste Mal nach 1939 wieder. Ein bewegender Moment, nicht nur für die zierliche und elegante Dame, sondern auch für die anderen 13 Mitglieder ihrer großen Familie, die mit ihrer Mutter, Schwiegermutter und Tante aus England und Israel mitgereist waren.

Der Anlass für diese Begegnung war die Verlegung von Stolpersteinen für Jennys Eltern, die beide Opfer des Holocaust wurden. Die jüdische Familie Merel wohnte zwischen 1931 und 1939 in Sassanfahrt: die Eltern Samuel und Minna und die Kinder Lotte, Esther, Nathan, Sophie und Jenny, die jüngste. Sie wurde 1931 hier geboren. Als der Naziterror unerträglich wurde, wurden Lotte, Esther und Nathan mit einem Kindertransport nach England geschickt. Die Eltern flohen mit den beiden jüngsten Töchtern nach Südfrankreich. Dort wurden sie 1940 festgenommen und in verschiedenen Lagern interniert, der Vater von Frau und Kindern getrennt. 1941 starb Minna, die Mutter, im Lager Rivesaltes. Etwa ein Jahr später wurde Vater Samuel nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die Töchter Sophie und Jenny konnten von einer jüdischen Hilfsorganisation in einem Kinderheim in der Schweiz in relative Sicherheit gebracht werden und trafen im Oktober 1945 ihre Geschwister in England wieder. Ihre Eltern aber hatten sie unwiederbringlich verloren.

Wie überwältigend die Gefühle waren, nach Sassanfahrt zurückzukehren und dort zwei große Potraitfotos der Eltern vor ihrem ehemaligen Haus aufgestellt zu sehen, mag man sich selbst vorstellen. Zur der Stolpersteinverlegung, die der Künstler Gunter Demnig eigenhändig durchführte, waren neben Landrat Johann Kalb, Bürgermeister Klaus Homann und mehrerer Marktgemeinderäte auch zahlreiche Sassanfahrter Einwohner und Schüler der Hirschaider Mittelschule gekommen. Letztere hatten Plakate gestaltet und umrahmten die Veranstaltung musikalisch. Die Söhne und Schwiegersöhne von Jenny Orenstein, geborene Merel, sprachen nach der Verlegung der Steine noch ein Gebet und sangen gemeinsam mit den Zuschauern. Auf Deutsch wandte sich dann Mindy Ebrahimoff, die Tochter von Jenny, an die Sassanfahrter. Sie berichtete von den gemischten Gefühlen, mit denen die Familie nach Deutschland gekommen war, aber auch von den tiefen Emotionen angesichts des Elternhauses und der Freude, in Sassanfahrt herzlich willkommen zu sein. Für Jenny ein besonderes Erlebnis war, Peter Spies wieder zu treffen, der mit ihr zusammen in Sassanfahrt eingeschult worden war. Ruth Schreiber, eine Tochter von Nathan Merel, dankte abschließend allen Beteiligten für den ereignisreichen Tag und die Würdigung, die die Familie Merel durch die Stolpersteine erlangt hat.


Im Anschluss an die Stolperstein-Verlegung wurde die Familie zu einem Empfang in Rathaus eingeladen und besichtigte noch die ehemalige Judenschule und den Synagogenplatz.


23.10.2017

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